KONTAKTY

Brief Ihrer kath. Pfarrgemeinde Otterstadt

Nr. 73 Fronleichnam 2010

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Fronleichnam -

„ Hochfest des Leibes und Blutes Christi

 

Freier Tag - oder Feiertag?

 

Die meisten von uns denken bei diesem Stichwort wohl an Prozession, „Himmelträger“ Blaskapelle, Kommunionkinder, Weihrauch, geschmückte Straßen und Häuser und vielleicht auch an die Vorbereitung und der damit verbundenen Arbeit, der guten alten Tradition wegen, weil es immer schon so war.

Aber kein Fest hat Bestand - geschweige denn einen Sinn, wenn man nicht mehr weiß, warum   es gefeiert wird. So wird ein solches Fest, bzw. Feiertag bald zum nichts sagenden „Brückentag“, der – der Kirche sei Dank - für einen Urlaubstag mehr sorgt.

 

Das Wort „Fronleichnam“ kommt aus dem Mittelalter, von: „ vron“ = Herr und: „ lichnam“ =   Lichtleib. Hochdeutsch: Leib des Herrn.

Wir gedenken am Fronleichnamstag der Einsetzung der Eucharistie,   beim letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Wir feiern seine bleibende Gegenwart mitten unter uns in dieser Welt.

Was bei der Feier am Gründonnerstag Abend vom Karfreitag schon überschattet wird und deshalb wenig Raum für eine feierliche Gestaltung des Festgeheimnisses bleibt, nämlich der Einsetzung der Eucharistie, das greifen wir Christen bewusst am ersten freien Donnerstag nach der Osterzeit und nach Pfingsten bzw. der Pfingstoktav noch einmal auf, um es gebührend zu feiern. Somit ergibt sich als Datum für den Fronleichnamstag immer der zweite Donnerstag nach Pfingsten.

Entstanden ist das Fronleichnamsfest im 13. Jahrhundert, als die Gläubigen noch aus großer Ehrfurcht vor dem Eucharistischen Brot, die Kommunion nur selten empfingen und erst recht nicht, ohne vorher das Sakrament der Beichte empfangen zu haben. Somit stand die Anbetung und Anschauung der Eucharistie mehr im Vordergrund. In dieser Anschauung (schon bei der Wandlung) ernährte man sich geistlich. Und weil der Wein im Kelch nicht so gut sichtbar war, blieb schließlich allein das eucharistische Brot als Zeichen der Anbetung.

Der Kern des Fronleichnamsfestes bezieht sich auf eine Vision der Augustinerin Juliane von Lüttich (1193 - 1258). In dieser Vision sah sie eine waagrechte Mondsichel, die eine Hostie trug. Sie deutete darin das Fehlen eins Festes zur Verehrung der Heiligen Eucharistie. So wurde zunächst das Fronleichnamsfest nur in der Diözese Lüttich eingeführt und gefeiert. Als der Bischof von Lüttich schließlich Papst wurde führte er das Fest für die ganze Kirche ein. Der Bekannte Kirchenlehrer Thomas von Aquin schrieb die Liturgischen Texte zum Fest und viele Lieder, die wir heute noch bei der Fronleichnamsprozession als sog. „Sakramentslieder“ singen, u. a. das „ Tantum ergo“ (GL 547) und Gottheit tief verborgen“ (GL 546).

Die heutige Form der Prozession erinnert an das Bild des pilgernden Gottesvolkes, dessen Mitte Jesus Christus in der Gestalt des Eucharistischen Brotes, dem Brot des Lebens, ist. Wir erinnern uns an seine bleibende Gegenwart in unserer Welt und Zeit, und tragen dieses hl. Brot in der Monstranz, (lat. = Zeigegerät), in der es nach wie vor gehalten wird durch einen kleinen, waagrechten Halbmond (= Lunula, lat. = Möndchen). An besonderen Plätzen unseres Dorfes wird das entsprechende Evangelium vorgetragen und wir beten und bitten um den Segen Gottes für unsere Dorfgemeinschaft und unser Leben.

Die Kirche feiert also am Fronleichnamstag nicht sich selbst und will auch keine Pracht demonstrieren oder gegen was auch immer protestieren oder gar einen Umzug machen, sondern wir bekennen uns in der Prozession zu Jesus Christus, in seiner bleibenden Gegenwart im Wort (Evangelium) und Sakrament, lat. = Zeichen, eben im sichtbaren Zeichen des Eucharistischen Brotes.

Zentrales Element des Fronleichnamsfestes ist nach wie vor die Feier der Eucharistie,   die der Prozession voraus geht und hier besonders der Empfang des Hl. Brotes bei der Kommunion. Aus dem Inhalt und der Bedeutung des Festes ergibt sich von selbst, dass man sich vorbereitet, die Straßen und Plätze schmückt und sich bei der Teilnahme entsprechend verhält.

Ob das, was wir für diesen Festtag tun und aufwenden an Zeit, Mühen und Arbeit zur lästigen Pflicht wird oder vielmehr auch   zur innerlichen Vorbereitung eines schönen, inhaltsreichen und frohen Glaubensfestes dient, von dem ich innerlich zehren kann, hängt einzig und allein von der Einstellung jedes Einzelnen ab. Zu bedenken gilt jedoch nach wie vor, was schon Thomas von Aquin in einem seiner Lieder schreibt:

Gott ist nah in diesem Zeichen,

kniet hin und betet an.

Das Gesetz der Furcht muss weichen,

da der neue Bund begann;

Mahl der Liebe ohnegleichen:

Nehmt im Glauben teil daran!

Die Teilnahme tut gut, weil wir dadurch unseren Glauben stärken oder gar erneuern können und vielleicht auch neu schätzen lernen, dass - und warum wir - diesen Feiertag haben.

                                                                Thomas Buchert Pfr.

 

 

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Fronleichnam 2007 mit Pater Wiesler                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Kirchenrenovierung

        

Sie halten ein KONTAKTY in Händen, das zu einem völlig ungewohnten Zeitpunkt -zu Fronleichnam - erscheint.. Dies ist zwar ein bedeutendes Fest der katholischen Kirche, wie aus dem Beitrag von Pfarrer Buchert zu entnehmen ist, aber nicht der eigentliche Anlass dieser KONTAKTY - Ausgabe. Vielmehr wollen wir Sie über den aktuellen Stand der Kirchenrenovierung informieren.

Im Weihnachts - KONTAKTY haben wir versprochen, dass die Meinung der Gemeinde - Ihre Meinung, in die Entscheidung über die Innengestaltung unserer Kirche einfließen soll. Nachdem sich bis in die Osterzeit nichts getan hat, war eine gewisse Unruhe in der Gemeinde zu spüren.

In einer Sondersitzung des Verwaltungsrates am 17.03. in der Kirche hat Herr Hartmann, Leiter des bischöflichen Bauamtes, erläutert, dass sich, auf Grund der Erkenntnisse des Restaurationsbetriebes Keller aus Köln, die ehemalige Ausmalung der Kirche rekonstruieren lässt. Der Verwaltungsrat hat daraufhin dem Vorschlag von Herrn Hartmann zugestimmt, eine Musterfläche in der ursprünglichen Form anzulegen. Diesem Vorschlag haben auch die anwesenden Mitglieder des Pfarrgemeinderates zugestimmt. Dadurch kann sich die Gemeinde ein Bild davon machen, wie unsere Kirche noch mehr zu dem wieder werden kann, was sie sein soll: ein Schmuckstück der Gemeinde und irdisches Bild vom himmlischen Jerusalem.

Heute - Freitag vor Pfingsten - sind Teile der Musterfläche bereits bemalt. Das Gerüst wird in einer Woche abgebaut. Wenn Sie das KONTAKTY in Händen haben, sind also bereits große Tele der Musterfläche zu besichtigen, auch wenn dann die gesamte Musterbemalung noch nicht abgeschlossen ist.

Wir hoffen, dass wir am ersten Juniwochenende (05./06. 06.) den kompletten Probeanstrich präsentieren können. Wenn möglich wird auch Herr Hartmann, zumindest zeitweise - vor Ort sein, um Ihre Fragen zu den bisherigen Maßnahmen und zum weiteren Vorgehen zu beantworten.

Gerne hätte wir Ihnen, vor allem denjenigen, die nicht persönlich in die Kirche kommen können, in dieser Ausgabe des KONTAKTY Bilder von gerüstfreien Musterflächen gezeigt. Da das KONTAKTY aber zu Fronleichnam erscheinen soll, können wir die Zeit bis zum Abbau des Gerüstes nicht abwarten. Wir glauben aber, dass die ausgewählten Bilder auch so einen Eindruck vom, so hoffen wir, künftigen Aussehen der Kirche vermitteln.

Zufällig vorbeikommende Besucher waren von dem was bisher zu sehen ist, sehr angetan. Dies stimmt uns optimistisch, dass mit dem vorliegenden Konzept auch die Skeptiker in der Gemeinde überzeugt werden können. Eine wichtige Rolle in der zu erwartenden Diskussion spielen sicher auch die befürchteten (Mehr)kosten. Natürlich erhöhen sich die Kosten gegenüber einem einfachen einfarbigen Anstrich. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass große Teile der Gesamtkosten auf Elektroarbeiten und vor allem auf den Gerüstbau fallen. Diese entstehen aber völlig unabhängig von der farblichen Gestaltung. Dazu kommt noch, dass die Mehrkosten für die künstlerische Arbeit vom bischöflichen Bauamt auch deutlich höher bezuschusst wird. Die Mehrkosten für die Gemeinde bleiben in einem überschaubaren Rahmen und wir sollten bedenken welchen Mehrwert wir dafür erhalten.

Natürlich macht das die Sache nicht einfacher und wir müssen große Anstrengungen unternehmen, um das Unternehmen zu schultern.

Die Gesamtkosten sind mit € 350 000 angesetzt. Sicher deutlich mehr als 50 % davon übernimmt das bischöfliche Bauamt.

Dankenswerter Weise hat die Ortsgemeinde einen Zuschuss vom € 30.000, verteilt über zwei Jahre, zugesagt. Der Rest muss von der Gemeinde aufgebracht werden. Deshalb möchten wir wieder einmal an Ihre Spendenfreudigkeit appellieren. Wenn Sie uns so großartig unterstützen wie bei der Außenrenovierung, werden wir auch die Wiederherstellung der alten Schönheit unserer Kirche im Inneren zu einem guten Ende führen können.

Unsere Spendenkonten

Kreissparkasse: Konto 120 022, BLZ 547 500 10

Raiffeisenbank: Konto 320 4316, BLZ 547 614 11

Für den Pfarrgemeinderat

Klaus Feichtner

Erläuterung zur bevorstehenden Inneninstandsetzung der Kirche in Otterstadt.

Nachdem die letzte Renovierung 1985 erfolgte, steht nun eine erneute Renovierung der Kirche an. Nach dem Abschluss der Außeninstandsetzungsarbeiten soll der Innenraum in diesem Jahr einen neuen Anstrich erhalten. Leider haben viele Kirchen unter den Veränderungen der Nachkriegszeit stark gelitten. Durch oft unsensible Eingriffe wurden viele Kirchenräume in ihrem Wesen empfindlich gestört, teilweise sogar stark entstellt. Vor diesem Hintergrund kann die Kirchengemeinde Otterstadt   stolz sein, dass sie ihre Kirche sehr weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten hat. Aber mit der Kirchengemeinde kann auch die Diözese froh sein, dass die wahrscheinlich schönste Kirche des Architekten Franz Schöberl in ihrer wunderbaren Architektur und Ausstattung in dieser Vollständigkeit erhalten geblieben ist.

Leider hat auch die Otterstädter Kirche die Nachkriegszeit nicht ganz ohne schmerzliche Verluste überstanden. Wie alte Fotos und eine restauratorische Untersuchung der Wände und Gewölbe zeigen, war die Otterstädter Kirche, wie viele andere Kirchen, früher ausgemalt. Wenn man eine Lehre aus den vielfältigen Veränderungen der Kirchen in der Nachkriegszeit ziehen will, so ist es die, möglichst keine Veränderungen an einer Kirche vorzunehmen, ohne sich vorher intensiv mit ihrer Geschichte und ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild zu beschäftigen. Es geht darum das besondere und charakteristische der zu renovierenden Kirche zu erkennen und sie in ihrem einzigartigen Wesen zu verstehen so wie der Baumeister sie gedacht hat.

Die Kirche in Otterstadt wurde 1889 - 1891 von dem Architekten Franz Schöberl erbaut. Schöberl   zählte Ende des 19. JH zu den besten Kirchenbauarchitekten in der Diözese Speyer, wahrscheinlich auch in Deutschland. Neben den klar strukturierten Raumkonzepten zeichnen sich Schöberls Kirchen durch eine hohe Architekturqualität und bis ins kleinste Detail äußerst feinfühlig gestaltete Räume aus. Die Ausstattungen und Altäre sind in der Regel äußerst sensibel auf den Raum, seine Fenster und seine Ausmalung abgestimmt. Durch das überzeugende Zusammenspiel aller Raumelemente lässt Schöberl eine große übergreifende Raumharmonie entstehen, welche, nicht zuletzt durch die Raumausmalung, eine wunderbare, über das Irdische hinausweisende Ausstrahlung erhält. Dabei ist das wesentliche der Ausmalung nicht die farbige Gestaltung an sich. Die viel wichtigere Dimension der Ausmalung ist „raumtheologischer“ Natur. Die malerische Gestaltung hat die Aufgabe, das überirdische des Ortes atmosphärisch und seelisch spürbar zu machen. So wird auch für Nichtchristen spürbar, dass dieses Haus Gottes etwas kostbares beherbergt, und mehr ist als nur ein von Menschen für Menschen geschaffener Raum.

Will man den eigentlichen Sinn einer Ausmalung verstehen, so muss man sich mit der Bedeutung der Kirche näher beschäftigen.  

Dazu sind zwei Bedeutungsschwerpunkte zu erwähnen, welche in Otterstadt auf wunderbare Weise miteinander verbunden waren:

1.   Die Bedeutung der Kirche als Wegkirche

2.   Die Bedeutung der Kirche als Abbild des Himmlischen Jerusalems wie es in der Apokalypse des Johannes beschrieben wird.  

Zu 1.   Die Kirche als Wegkirche:

Schon sehr früh in der Geschichte wurden christliche Kirchen als gebautes Symbol für den menschlichen Weg zu Gott gesehen. Die Kirchen wurden nach Osten, auf das aufgehende Licht hin als Symbol des Göttlichen, das Ziel des christlichen Lebens, ausgerichtet. Wir betreten die Kirche von Westen, dem Ort des Sonnenuntergangs, dort wo die Nacht beginnt und das Dunkle und Böse seinen Platz hat. Beim Betreten der Kirche lassen wir das Böse hinter uns und begeben uns auf den Weg zum Licht. Dieser Weg, ein Weg, den jeder Mensch in seinem Leben zu Gott geht, wird im Mittelgang angedeutet und durch die Raumarchitektur eindrucksvoll begleitet. Auf dem Weg zu Gott sein das ist unser Auftrag, der Raum drückt es aus und steigert sich zum Chor hin in seiner Lichtfülle und in der Wertigkeit der Gestaltung. Schon beim Betreten des Raumes wird deutlich spürbar, wo der Höhepunkt des Raumes zu suchen ist und das Göttliche seinen Ort hat. Leider hat die Kirche in Otterstadt ihr früheres Festkleid nach dem Krieg verloren. Dies ist um so mehr zu bedauern, als die Architektur allein mit ihren Säulen, Bögen und Gewölben nicht ausdrücken kann, was die frühere Ausmalung auf wunderbare Weise zum Ausdruck brachte.

Zu 2.   Die Kirche als Abbild des Himmlischen Jerusalems:

Wie der Gedanke der Wegkirche so hat auch der Gedanke des Himmlischen Jerusalems den Kirchenbau schon sehr früh geprägt. Die faszinierende Beschreibung der Johannes - Apokalypse hat über alle Jahrhunderte die Phantasie der Menschen beflügelt und die Erscheinung der Kirchen geprägt. Ausgehend von der apokalyptischen Himmelsvision versuchten die Menschen aller Jahrhunderte in ihren Kirchen eine über das Irdische hinausweisende Ahnung des Himmels und der himmlischen Sphäre zu vermitteln. Macht man sich diese wunderbare Intention, die darin enthaltene Botschaft, und die Jahrhunderte lange Tradition dieses himmlischen Bildes bewusst, so beginnt man zu verstehen, was in Otterstadt mit dem Verlust der ursprünglichen Ausmalung eigentlich verloren gegangen ist. Was uns heute, nach dem Verlust der Ausmalung begegnet, ist ohne Zweifel eine herausragende technische und architektonische Leistung. Was fehlt ist die Ahnung des Göttlichen, ein Zeichen für seine Anwesenheit, etwas auf das wir uns ausrichten können, was uns umfängt und der Seele helfen kann sich zu Gott zu öffnen.

Betrachtet man mit diesem Wissen alte Fotos der früher ausgemalten Kirche, so beginnt man zu ahnen, wie schön und sensibel der Raum mit seiner früheren Ausmalung die beiden, über das Irdische hinausweisenden Bedeutungsdimensionen zum Ausdruck gebracht hat. Glücklicherweise ist die ursprüngliche Farbigkeit unter den heutigen Anstrichen noch in einem so großen Umfang erhalten geblieben dass eine Rekonstruktion und Wiedereinbringung dieser wunderbaren   Raumgestaltung möglich ist. Bereits die jetzt angelegte Musterfläche kann einen Eindruck von der originalen Farbigkeit und ihre atmosphärischen Wirkung vermitteln. Eine Entscheidung über die Ausführung ist augenblicklich noch nicht gefallen. Wie die Kirche mit ihrer Ausmalung später aussehen wird, davon kann die Musterfläche einen guten Eindruck vermitteln. Als Diözesanbaumeister und Kirchlicher Denkmalpfleger würde ich es sehr begrüßen, wenn Ihre   Kirchengemeinde sich auf Grund dieser Musterfläche dazu entschließen könnte, dieser wunderbaren Kirche ihr Festkleid zurückzugeben.

 

Speyer, den 20.05.2010

Heinrich Hartmann

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